Viele Nutzerinnen stellen ihre Cremes in den Küchenkühlschrank – doch ist das wirklich sinnvoll? Wir sprachen mit dem Kölner Facharzt Dr. Andreas Kruppa über Keimgefahren in offenen Tiegeln, die optimale Temperatur für Vitamin C und Retinol sowie den physiologischen Effekt gekühlter Pflege auf der Haut.
Design-Möbel mit Kühlung: Eine gute Idee?
biszet: Herr Dr. Kruppa, wir haben ein exklusives Design-Möbel speziell für das Bad entwickelt. Es ist sehr elegant und enthält eine Besonderheit, die es bisher in dieser Form noch nicht gab. Kosmetika können zugleich stilvoll und gekühlt aufbewahrt werden. Was halten Sie von dieser Idee?
Dr. A. Kruppa: Ich halte die Idee für sehr gut. Schon jetzt bewahren viele Frauen ihre Kosmetika im Küchenkühlschrank auf. Das ist doch sehr praktisch, wenn man nicht mehr vom Bad zur Küche und zurücklaufen muss.
Warum ist gekühlte Lagerung wichtig?
biszet: Viele Kosmetika und Hautpflegeprodukte tragen die Aufschrift 'bitte kühl lagern'. Warum ist gekühlte Lagerung so wichtig?
Dr. A. Kruppa: Nach dem Öffnen der Tiegel gelangen oft Keime, wie Bakterien und Pilze, an die Pflegeprodukte. Diese befinden sich in der Luft, werden verstärkt aber durch die Benutzung mit den Fingern eingebracht. Diese Keimbesiedlung kann sich bei hohen Temperaturen viel schneller ausdehnen als bei kühleren. Das ist vergleichbar mit Milch, die man vergessen hat in den Kühlschrank zu stellen. Die Keime können sich schneller entwickeln und die Milch wird schlecht.
Gekühlte Cremes in der Praxis
biszet: Benutzen Sie in Ihrer täglichen Praxis auch gekühlte Crèmes?
Dr. A. Kruppa: Ja, zum Beispiel nach einer Lasertherapie werden gekühlte Crèmes mit pflanzlichen Inhaltsstoffen aufgetragen. Diese wirken angenehm beruhigend und durch die Kühle abschwellend.
Der optimale Temperaturbereich
biszet: Welcher Temperaturbereich ist für die Lagerung von Kosmetika optimal?
Dr. A. Kruppa: Bakterien fühlen sich bei Kälte einfach nicht so wohl wie bei Wärme. Am liebsten mögen sie das feuchtwarme Klima, das vor allem bei Sonneneinstrahlung entsteht, wenn sich in den Tiegeln Kondenswasser absetzt. Aber auch bei 20 °C vermehren sich die Keime deutlich schneller als bei 10 °C. Zu kalt darf es aber auch nicht sein, da sonst der Inhalt kristallisiert. Deshalb sollte man seine Kosmetika bei Flügen auch besser mit ins Bordgepäck nehmen, da es im Gepäckraum oft Temperaturen von bis zu minus 40 °C ausgesetzt ist.
Ich empfehle daher allgemein eine Lagerung bei ca. 10 °C, kollagenhaltige Produkte sollten jedoch eher bei ca. 12 °C gelagert werden. Vitaminhaltige Produkte bevorzugen dagegen eine Lagerung bei 5 bis 8 °C.
Einfluss auf die Wirksamkeit
biszet: Welchen Einfluss auf die Wirksamkeit der Kosmetika hat die gekühlte Lagerung?
Dr. A. Kruppa: Nun, zunächst einmal ist die Benutzung gekühlter Crèmes und Lotionen deutlich angenehmer als die Benutzung ungekühlter Produkte. Subjektiv wird ein Straffungsgefühl ausgelöst. Das liegt daran, dass sich die Blutgefäße durch die Kühle zunächst zusammenziehen und die Durchblutung verstärkt wird. Daraufhin weiten sich die Gefäße wieder und die Wirkstoffe können viel schneller und besser aufgenommen werden.
Wärmeempfindliche Inhaltsstoffe
biszet: Manche Kosmetikhersteller empfehlen in ihren Beilagen sogar, dass die 'Crème nicht in den Händen angewärmt werden soll, damit die volle Wirksamkeit erhalten bleibt'. Welche Inhaltsstoffe reagieren denn so empfindlich?
Dr. A. Kruppa: Das können ganz unterschiedliche Inhaltsstoffe sein. Viele Anti-Falten-Crèmes enthalten beispielsweise Vitamin C. Dies oxidiert sehr schnell und verliert damit seine Wirkung. Wie viele andere chemische Reaktionen wird dieser Prozess durch Wärmezufuhr noch beschleunigt.
(Wie schnell diese chemischen Prozesse ablaufen, schildert Apotheker Dr. Stockebrand im Detail).
Produkte ohne Konservierungsstoffe
biszet: Viele Männer und Frauen nutzen bereits Pflegeartikel ohne Konservierungsstoffe. Welche Vor- und Nachteile haben solche Produkte?
Dr. A. Kruppa: Viele Patienten entwickeln auf Konservierungsstoffe, wie z.B. Parabene, so genannte Kontaktallergien. Es entstehen Ekzeme auf der Haut, die für die Betroffenen sehr unangenehm sein können. Crèmes ohne Konservierungsstoffe können jedoch schneller verderben, da die Keimbesiedlung einfacher erfolgen kann.
Gefahren verdorbener Kosmetika
biszet: Was kann eine verdorbene Crème auf der Haut verursachen?
Dr. A. Kruppa: Neben der fehlenden Wirksamkeit, können unterschiedliche Hautreizungen, wie z. B. Rötung, Brennen und Schuppen erfolgen. Man erkennt verdorbene Crèmes daran, dass sie ihren Geruch verändert (sie stinkt), aber auch ihre Konsistenz. Oft trennt sich der Inhalt in dick und dünn auf. Das sind Zeichen dafür, dass hier ungewollte chemische Reaktionen abgelaufen sind, die auf der Haut eine ganz andere Wirkung haben können, als die ursprünglich erwünschte.
biszet: Herr Dr. Kruppa, vielen Dank für das freundliche und informative Interview.
Dr. A. Kruppa: Gerne geschehen.
